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Entwerfen in der Innenstadt heißt, viele Perspektiven gleichzeitig mitzudenken: Unterschiedliche Nutzungen, Interessen und Ansprüche treffen hier direkt aufeinander – und müssen nicht getrennt betrachtet und nach Funktionen getrennt werden, sondern zusammengebracht werden. Die Aufgabe hier ist also vor allem, möglichst viel und viele mitzudenken, einzubinden und gemeinsam eine vielschichtigere, sozialere, klimagerechtere, schönere und interessantere Zukunft für die Untere Karlsstraße zu antizipieren und zu formulieren.
Es ist ein gemeinsamer Raum, der nicht streng in Funktionen aufgeteilt wird, sondern unterschiedliche Nutzungen zusammenbringt: Skateszene und Jugendliche, Anwohnende, Kulturinstitutionen und alle, die hier sind. Statt den Platz neu zu ordnen, geht es also vor allem darum, ihn vielseitiger zu machen.
Der Entwurf arbeitet deshalb mit dem, was da ist: mit den Menschen, die den Ort nutzen. Mit den Anlieger: innen, die ihn prägen. Mit vorhandenen Materialien, Oberflächen und Strukturen. Und auch mit den finanziellen Mitteln, die jetzt verfügbar sind – um nicht nur immer weiter zu planen, sondern schon einmal anzufangen. Dazu wurden Anwohnerinnen interviewt und mehrere Beteiligungstermine veranstaltet.
Die weitere Entwicklung erfolgt nun schrittweise: Auf die ersten baulichen Eingriffe, die nun schon umgesetzt werden konnten, folgt nun die Phase der Aneignung, Aktivierung und des Testens. Dabei zeigt sich, was funktioniert, was fehlt und was im nächsten Bauabschnitt angepasst werden muss. Dazu wird es in jedem Fall noch einmal mit allen Nutzer*innengruppen Abstimmungen geben.
Der Platz wird also nicht auf einmal fertiggestellt, sondern soll weiter und umgebaut werden. Im besten Sinne: gemeinsam, vorläufig und mit dem, was da ist.
In der ersten Bauphase ging es darum, die Untere Karlsstraße in Bewegung zu bringen. Flächen aufmachen, Grünflächen anlegen, Asphalt schleifen, Luft reinlassen und den Raum spürbar machen. Der Bestand wurde dabei nicht ersetzt, sondern herausgefordert. Durch das Herauslösen einzelner Grünbereiche gingen zwar bestehende Rampenflächen verloren, doch genau daraus entstand Neues. Der Asphalt wurde nicht entsorgt, sondern direkt vor Ort transformiert. Ein direkter, materialbasierter Kreislauf; kein Abfall, sondern Ausgangspunkt.
Der Bestand lag die ganze Zeit offen da. Asphaltbetonplatten, die mehr können als nur Boden sein. Anstatt sie zu entsorgen, wurden sie herausgetrennt, gekippt, neu sortiert. Durch Fundamente stabilisiert entstehen skulpturale Raumkörper, die neue, skatebare Spots im Stadtraum aufmachen.
Die neuen Grünflächen sind kein Add-on, sondern ein Bruch. Sie unterbrechen die durchgehende Versiegelung setzen gezielte Kontraste und lassen den Raum abkühlen. Zusätzliche Bepflanzung ergänzt den Raum und bringt eine andere Qualität hinein: Dinge, die bleiben und sich trotzdem verändern.
Die skatebaren Skulpturen zitieren die Form von Fahrzeugen, lösen sie aber aus ihrer Funktion. Sie werden zu nutzbaren Objekten: zum Skaten, Sitzen, Verweilen. Was früher Fläche blockiert hat, wird Teil des öffentlichen Raums. Die „Autos“ bleiben – aber sie stehen nicht mehr im Weg. Damit verschieben sie die Bedeutung des Ortes: Was heute vom Auto dominiert wird, kann künftig von vielen und vielseitig genutzt werden. Noch befinden sie sich auf der ehemaligen Parkplatzfläche. Mit der Umgestaltung des Straßenraums sollen sie in den Shared Space wandern – als nutzbare Elemente und sichtbares Zeichen für den Wandel.
Was hier jetzt zu sehen ist, ist kein fertiger Zustand, sondern ein erster Schritt. Ein Anfang, in dem der Asphalt der Skatefläche aufgewertet wurde, einige Teile der Asphaltfläche zu Banks aufgestellt wurden, um vielfältige neue Skatemöglichkeiten zu schaffen und die Fläche besser nutzbar zu machen, skatebare Skulpturen aus recyceltem Plastik entstanden sind, ein Kulturkiosk geschaffen wurde, der von den Nutzerinnen angeeignet und genutzt werden kann, große Teile der Fläche entsiegelt wurden und neue Grünflächen geschaffen sowie neue Bäume gepflanzt wurden.
Dieser erste Schritt zeigt das Potenzial dieses Ortes und lässt Raum für das, was noch kommen soll. Eine Idee davon, was kommen könnte, ist hier auf dem Plan als erste Entwurfsskizze abgebildet.
Der Kiez-Kiosk ist Teil der Platzinfrastruktur und organisiert den Hintergrund: Strom, Stauraum, Versorgung. Er geht aus der Beteiligung hervor, um den Platz wetterunabhängig und verlässlich nutzbar zu machen. Vor allem wird den Akteur:innen vor Ort ermöglicht, den Raum eigenständig zu bespielen – nicht als Eventfläche, sondern als dauerhaft nutzbaren Ort.
Aufgrund von finanziellen und personellen Kapazitäten kann jetzt aber leider erst einmal nicht so schnell weitergebaut werden. Gut ist aber, dass nun schon einmal ein erster Schritt gemacht werden konnte und es losgeht!
Es wurde von der Politik beschlossen, diesen ersten Bauabschnitt mit vorhandenen Mitteln bis 2025 umzusetzen und weitere Schritte mit hoher Priorität anzugehen. Wie und wann das allerdings passieren wird, ist leider heute noch offen, wird derzeit diskutiert und es braucht dafür auch auf politischer Ebene noch weitere Entscheidungen und finanzielle Mittel.