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zum Anbeißen: Die InnenStadt von Lutherstadt Wittenberg als Kuchen!
In Lutherstadt-Wittenberg entwickeln und betreiben wir für zweieinhalb Jahre das Stadtlabor, mit dem Ziel, die Wittenberger Innenstadt zukunftsfähiger und attraktiver, vor allem für Kinder, Jugendliche und junge Familien zu machen. Auch hier geht es uns darum die Menschen vor Ort selbst aktiv werden zu lassen und sie zu unterschiedlichen Zukünften in Bezug auf ihre gebaute und soziale Umwelt zu inspirieren. Unser Fokus liegt dabei auf dem malerischen Altstadtkern von Wittenberg, der, dank Luthers Erbe, zwar rund ums Jahr zahlreiche Tourist:innen aus der ganzen Welt in die Stadt lockt, für die Wittenberger:innen selbst – vor allem für die Jungen – aber wenig zu bieten hat. Diesem Problem versuchen wir im Stadtlabor zu begegnen, mit Handlung und Aushandlung in vielen verschiedenen Formaten.
Die Räume des Stadtlabors liegen in absolut zentraler Lage, in einem über 400 qm großen Erdgeschoss direkt am Marktplatz. Mit einem vielfältigen und möglichst wenig didaktischen Programm versuchen wir die Menschen hier für ihre Innenstadt zu begeistern oder vielmehr für die Möglichkeit in ihr selbst aktiv und gestaltend tätig zu werden. Dazu organisieren wir Kulturveranstaltungen mit thematischem Bezug, Workshops, Diskussionsrunden, Kooperationen mit Universitäten und vieles mehr. Zusätzlich wird der Raum in großem Umfang von Einwohner:innen selbst bespielt, die sich mit Formatvorschlägen an uns wenden, für die es sonst in der Innenstadt keinen Platz gibt, wie z.B. Tanzabende, Handysprechstunden, solidarisches Kochen, feministische Salons, ein weltlicher Chor und Reparaturtreffs und mehr.
Der zweite, zukunftsentscheidende Teil des Projekts ist ein Verfügungsfond, bei dem, auf drei Jahre verteilt insgesamt bis zu 300.000 € zur Umsetzung für Ideen aus der Stadtgesellschaft zur Verfügung stehen. Dabei verteilen wir Gelder für Ideen aus der Stadt für die Stadt, die zu einer gemeinwohlorientierten Innenstadtentwicklung beitragen. Nachdem wir im ersten Jahr die erste Runde Förderprojekte im Rahmen eines Ideenmarathons entwickelt haben, bei dem am Ende das Publikum über die Projekte entscheiden konnte, geht es 2024 und 2025 mit einer besonders zukunftsweisenden Verfahren weiter. In einem gemeinsamen Workshop haben wir mit der Verwaltung ein ganz besonderes Abstimmungsverfahren entwickelt. Über die zukünftigen Projekte für die Innenstadt entscheiden nämlich nicht wir, die Verwaltung und auch nicht die Politik, sondern alle Schüler:innen der Stadt. Damit nehmen wir unsere Zielgruppe in besonderem Maße ernst und übergeben früh Verantwortung und Einfluss, an eine Gruppe, die sonst wirklich gar kein Mitspracherecht in der Stadtverwaltung hat – und zwar schon ab der dritten Klasse. Für die Einreichung der Ideen, gibt es keine Altersbeschränkung und alle aus der Stadtgesellschaft sind eingeladen, sich zu beteiligen.
In einer Zeitung redaktionell aufbereitet, werden die Ideen von uns in abgezählten Paketen, zusammen mit Stimmzetteln direkt in die Klassen und Schulen verteilt. Zur Hilfe und als Grundlage für die Abstimmung gibt es einen 10-Punkte-Leitfaden, der erklärt, was eine Idee zu einer tatsächlich gemeinwohlorientierten Idee macht. Insgesamt werden jedes Jahr mindestens fünf Ideen umgesetzt, die Wahl darüber liegt bei den Kindern und Jugendlichen und wir können in diesem Fall wirklich sagen: Stadtentwicklung macht Schule!