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Ideenwettbewerb Elsdorf

2025


Auftraggeber:innen

Stadt Elsdorf
Fachbereich Strukturwandel und Klimaschutz 


Partner:innen

Atelier Le Balto
BeL Sozietät für Architektur


Die Entdeckung der Zukunft

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Das Zentrum der Zukunft entsteht nicht im Zentrum

Elsdorf liegt im Rhein-Erft-Kreis zwischen Köln, Aachen und Düsseldorf – und direkt am Rand des Tagebau Hambach. Eine Landschaft wie eine tiefe, offene Wunde: Der größte Braunkohletagebau Europas. Hier wurde über Jahrzehnte Braunkohle gefördert, Dörfer umgesiedelt, unter anderem wurde der nahe Hambacher Forst zum großen Teil gerodet – begleitet von massiven Klimaprotesten und polizeilichen Räumungen.

Gleichzeitig sollte genau dieser Tagebau über Generationen hinweg unseren Energiebedarf sichern, Wohlstand ermöglichen und Zukunft versprechen.

Nun soll aus dem Abgrund der zweitgrößte See Deutschlands werden, indem die Grube mit Rheinwasser geflutet wird. Ob und wie diese Befüllung unter klimatischen Bedingungen langfristig funktioniert, ist keineswegs selbstverständlich. Stand heute wurde seitens RWE berechnet, dass die Befüllung auch bei Niedrigwasserstand, Trockenperioden und co. möglich ist.

Im Rahmen es Projektes „Zukunftsterrassen Elsdorf“ soll der sogenannte Hafenbalkon an der Tagebaukante, einer rund 30 Hektar großen Landmasse, die bis 2030 im Tagebau Hambach auf Elsdorfer Stadtgebiet angeschüttet wird als Zwischennutzung neu beplant und erzählt werden: als „Stadt am See“. Bis der Wasserspiegel aber tatsächlich die Stadtkante erreichen soll, dauert es mindestens bis 2070. Erst dann, nach erreichen des Zielwasserspiegels, ist eine dauerhafte Bebauung/Städtebau möglich.

Gesucht werden für diese Fläche nun also keine fertigen Masterpläne (die gibt es schon), sondern Narrative, Ideen und temporäre Strukturen für die Übergangszeit während der Seebefüllung bis 2070. Das Temporäre wird hier nicht als Mangel, sondern als Gestaltungsraum verstanden: steigender Wasserspiegel, unsichere Rahmenbedingungen, eine offene Zukunft.

In diesem Kontext wurde auch ENDBOSS eingeladen, im Rahmen einer interdisziplinären Ideenwerkstatt für die Phase der Zwischennutzung von etwa 2030 bis 2070 ein eigenständiges Narrativ zu entwickeln – mit der Leitfrage, wie eine besondere temporäre Struktur zum Ausgangspunkt für Neues werden und zugleich flexibel auf die sich verändernden Bedingungen reagieren kann, als Chance für wechselnde Programmierung und Flexibilität in den nächsten 40(!) Jahren.

Nicht perfekte Utopien.
Sondern Protopien.

Wir leben heute mit einer Zukunft, die sich nicht mehr wie ein Versprechen anfühlt. Fortschritt? Wachstum? Beschleunigung? Klingt eher nach Abbruchkante als nach Aufbruch.

Was wäre, wenn Zukunft etwas anderes als eine Bedrohung ist, sondern eine Fähigkeit? Eine Fähigkeit, die uns erlaubt, mit Unsicherheit umzugehen – und unsere Handlungsspielräume bewusst zu erweitern. Zukunft ist nicht festgelegt. Sie ist plural. Multiple Zukünfte sind möglich – abhängig davon, wie wir heute handeln.

Für die Ideenwerkstatt des Hafenbalkons Elsdorf entwickelten wir deshalb kein Zielbild, sondern einen Ort, an dem wir lernen, Zukunft zu denken. Unser Vorschlag: Einen Ort der kollektiven Zukunftsreflexion – als Prozess, als Möglichkeitsraum, als Infrastruktur für mögliche Zukünfte.

Am Rand der Stadt, am zukünftigen See, dort wo heute noch der Tagebau klafft, entsteht ein besonderer Ort: eine Bedenkstätte der Zukunft. Dort, wo vor zwei Generationen tiefgreifende Entscheidungen unsere Landschaft verändert haben und unsere Zukunft nachhaltig geprägt wurde, wird ein Raum entstehen, um über zukünftige Entscheidungen nachzudenken. Ein architektonisches Ökosystem statt eines fertigen Gebäudes: ein offener Bau, der über Jahre wachsen kann – Im Inneren drei Programmlinien:?

Das Imaginarium als Bibliothek vergangener und gegenwärtiger Zukunftsvorstellungen.
Das Archivarium als eine Sammlung tatsächlich eingetretener Zukünfte.
Das Observatorium als ein Ort der Reflexion – mit Blick über den ehemaligen Tagebau.

Der Prozess beginnt 2027 mit einer gelandeten Boje im Ortskern von Elsdorf. Sie markiert den zukünftigen Wasserspiegel und wird zur ersten Navigationshilfe durch eine unsichere Zukunft.?Ausgebaut zu einem kleinen Kiosk wird sie zum wandernden Treffpunkt: für Gespräche, Veranstaltungen und erste Zukunftsideen.

Am Ende dieses ersten Jahres folgt der nächste Schritt:
Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen – Wissenschaft, Kunst, Aktivismus, Planung – kommen nach Elsdorf, um gemeinsam über mögliche Zukünfte nachzudenken. Nicht in einem Kongresszentrum, sondern in Leerständen, Schulen, Kneipen und Straßenräumen der Stadt. Aus diesem Input entsteht anschließend ein Zukunftsfonds. Über einen Open Call entwickeln Tandems aus lokalen und externen Akteur:innen Ideen für Elsdorf – die in den folgenden Jahren real umgesetzt und getestet werden.

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Der Rand ist das neue Zentrum!

Alle fünf Jahre kulminiert dieser Prozess in einer Zukunfts-Pentanale (WhatTheFuture?! – ein futurologischer Kongress): eine internationale Ausstellung und Konferenz für Zukunftsfragen, die globale und lokale Stimmen zusammenbringt und Zukunftsforscher:innen aus der ganzen Welt nach Elsdorf holt.

Das Zentrum der Zukunft entsteht nicht im Zentrum
nicht in Paris,
nicht in Tokyo,
nicht in London und schon gar nicht in Berlin - sondern am Rand.

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Zukunft ist kein Zielbild.
Sie ist ein Möglichkeitsraum.

Vielen Dank an die Stadt Elsdorf und De Zwarte Hond für die Einladung, an dieser besonderen Aufgabe mitzuwirken. Und an unsere Kolleginnen von atelier le balto und BeL für ihre eigenen Perspektiven und den inspirierenden Austausch. Wir sind gespannt, wie es weitergeht!

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